Ausschnitt (Autobahn-Vignette)

« Die Abendsonne warf ein schönes Licht auf die Wälder, an denen sie vorbeifuhren, und Priester fragte, sich ob der Frühling schon im Anmarsch sei. «In drei, vier Stunden sollten wir zu Hause sein», informierte Elvis, der in die Strassenkarte vertieft war. Es klang nicht so, als würde er sich freuen. Priester nahm die Zeitangabe nicht allzu ernst. Mittlerweile hatte er kapiert, dass man sich darauf verlassen konnte, dass man sich auf nichts verlassen konnte. Strauss fuhr und rauchte. Priester konnte nicht mehr sagen, ob er sich an den Dieselgeruch gewöhnt hatte oder ob der abgenommen hatte. Da tauchte am Strassenrand ein Polizist mit einer Art Tennisschläger mit rotem Punkt darauf auf. Er machte Zeichen, offensichtlich wollte er, dass sie anhielten. Strauss hielt am Strassenrand und der Polizist kam ans Fenster.

«Guten Abend. Ich sehe, Sie haben keine Autobahn-Vignette.»

Elvis erkundigte sich, mit dem für ihn typischen respektlosen Ton:

«Warum sollten wir eine haben?»

«Weil Sie in Österreich sind.» »

Ausschnitt (Ötzi)

«Als Ötzi die Anlage dann einschaltete, gab es zwar einen ausgewachsenen Knall, aber so sehr sie auch in die Mikrofone schrien, es kam einfach nichts aus den Boxen. Ötzi fluchte, ging immer wieder allen Kabeln nach, die das Mischpult mit dem Verstärker und diesen mit den Boxen verbanden. Dabei murmelte er immer wieder wild Fachbegriffe durcheinander:

«Symmetrisch. XLR. Mono. Symmetrisch. Out. Return. XLR. Stereo.»

Nachdem er eine ganze Weile wie ein Eichhörnchen, das seine vergrabenen Nüsse nicht finden kann, im Raum rumgeirrt war, drückte er am Verstärker einen Knopf, und es gab einen Rückkopplungspfiff, dass einem die Ohren wegflogen. Ötzi riss die Regler am Mischpult runter, aber es hörte nicht auf. Marco eilte herein, mit den Händen auf den Ohren, und schaute verzweifelt zu Ötzi. Dieser riss jetzt den Stromstecker der Anlage aus der Wand, es gab erneut einen lauten Knall, und dann war es dennoch nicht still, denn die Musikanlage war zwar verstummt, doch in Priesters Ohren pfiff es weiter.»

Ausschnitt (Polizeiknüppel)

«Als Polizeiknüppel zu spielen begannen, war der Raum mehr als gefüllt. Priester wunderte sich, dass es in dieser Gegend so viele junge Punks gab. Alle Lieder von Polizeiknüppel waren extrem schnell, hart und laut. Der Sänger schrie irgendwelche Parolen gegen die Polizei, den Staat oder den Polizeistaat. Schnell war im Pillenhaus der Teufel los. Die Punks betrieben eine Mischung aus Tanz und Schlägerei. Einige sprangen immer wieder von der Bühne auf die anderen. Zwischen all den Punks, die alle irgendwie gleich aussahen, fiel Priester ein Typ auf, der sich wohl in der Tür geirrt hatte. Er trug weisse Pluder-Klamotten, eine John-Lennon-Brille und Rastas. Obwohl die Musik von Polizeiknüppel wie Maschinengewehrsalven mit unablässigem Donnerschlag klang, führte er unbeirrt seine Schamanentänze auf. Priester dachte, dass der Mann vielleicht taub war. Das Konzert schien Priester endlos. Polizeiknüppel spielten mehr Zugaben als reguläre Songs. Er konnte beim besten Willen nicht sagen, wie oft sie die gleichen Lieder spielten, oder ob sie überhaupt verschiedene Lieder hatten. Plötzlich stand Micha neben ihm.

«Geniale Band, nicht?»

Priester schaute forschend in Michas Gesicht, er suchte dort nach einem Lächeln oder Augenzwinkern. Er hoffte, dass dieser einen Witz gemacht hatte. Micha schaute ihn aber mit strahlenden Augen an. Priester entschied sich dann für die elegante Variante und sagte:

«Brachial!»

«Genau, kompromisslos brachial.»

«Geradeaus!»

«Vollgas!»

«Voll in die Fresse!»

Dann trottete Micha zufrieden davon.»